Sonne, Mond und Sterne – der vierte Tag mit Trump

 

Strumpf-Tagebuch. Tag 4.

 

„Vier Tage Strumpf und ich halte es nicht mehr aus…“, sagt der Kollege im Büro, und streicht sich besänftigend über den Bauch. Jedem, den ich kenne, liegt der frisch gekürte US-Präsident schwer im Magen. „It's something visceral“, sagt man in den USA, wenn einem etwas „unter die Haut“ geht.

Dass ich mit sowas Banalem anfange, ist bereits ein Hinweis: Es ist nichts Außerordentliches passiert. Das Interessanteste ist das, was er mit uns macht.

Ich komme mir vor wie ein Kaninchen, das ängstlich nach der Schlange schaut. Angst schafft Aufmerksamkeit., man sammelt Informationen. Gespanntes Scannen der Nachrichten überall, in jeder Zeitung, im Netz, im Radio: Die ersten politischen Aktionen. Noch lebe ich in der Hoffnung, dass er grandios scheitert, nur eine Episode in der langen US – Geschichte ist. Dass sich „der lange Bogen, den die Geschichte nimmt, doch am Ende zum Guten neigt“, wie es Obama sinngemäß beschrieben hat.

 

Also nun die Nachrichten, ich seufze erleichtert: Er macht Fehler, nimmt von den Kleinen. Betrügt seine Wähler. Die werden das merken! Ein neuer Begriff: „Alternative Fakten“ : Der Lüge bezichtigt, entschuldigt sich damit ein Trump-Mitarbeiter. Ein schlimmer Begriff, der genau genommen an den Grundsätzen der Zivilisation rüttelt: Der Vereinbarung einer gemeinsamen Realität, der Existenz nachweisbarer Fakten, der Voraussetzung jedes Rechtsstaates.

Das ganze nimmt Dimensionen an, die einen- ja: etwas an die Hitlerzeit erinnern. Nur : diesmal sind es die Anderen. Und wir können das Häuflein aufrechter Demokraten spielen, das sich dem Diktator in den Weg stellt – und so unsere eigene Geschichte umschreiben, das menschliche Versagen unserer Großväter und Uorgroßväter in den 30er Jahren wieder gut machen! Eine gewisse Fiebrigkeit mischt sich in meine Angst. Und was genau können wir tun?

Wir haben Bundestagswahl, und alle befürchten einen Erdrutschsieg der Rechten. Um ihnen das Wasser abzugraben, läuft eine bundesweite „konzertierte Aktion“: Das Land soll – darf man sagen: wohnlicher? – werden? Ein besseres soziales Klima schaffen. Den unzufrieden „Protestwählern“, dem zu erwartenden Haupt-Klientel der rechten Parteien, das Protest wählen abgewöhnen. Sogar die linke Taz macht mit. Da können wir mitmachen! Das riecht ein wenig nach „Sozialer“ Friedensbewegung, da werden Bilder aus der Jugendzeit wach – no, schlecht?

Ganz neue Perspektiven sind das. Und es ist erst der vierte Tag…

 

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